Über Fußnoten

Als ersten Beitrag möchte ich eine Übersetzung eines Posts bringen, den ich auf meinem Blog schon vor ein paar Tagen gebracht habe.

Ihr alle wisst sicher, wie einfach man in LaTeX Fußnoten bekommt. Die meiste Zeit ist es so einfach wie \footnote{Das ist eine Fu\ss note}. Das Ergebnis ist allerdings typographisch oft nicht sonderlich überzeugend. Lasst uns ein Beispiel ansehen:

\documentclass{article}
\renewcommand*\thempfootnote{\arabic{mpfootnote}}
\begin{document}

\begin{minipage}{.5\linewidth}
\noindent The three little pigs built their houses
out of straw\footnote{not to be confused with hay},
sticks\footnote{or lumber according to some sources}
and bricks\footnote{probably fired clay bricks}.
\end{minipage}

\end{document
}

Das Ergebnis ist folgendes:

footnotes0

Die Fußnotennummern sind riesig und die Lücke zwischen ihnen und den Satzzeichen sieht auch nicht gut aus. Mit meiner Lieblingsschrift Linux Libertine O sieht das Beispiel etwas besser aus, aber eigentlich ist noch nichts passiert:

\documentclass{article}
\usepackage{libertine}
\renewcommand*\thempfootnote{\arabic{mpfootnote}}
\begin{document}

\begin{minipage}{.5\linewidth}
\noindent The three little pigs built their houses
out of straw\footnote{not to be confused with hay},
sticks\footnote{or lumber according to some sources}
and bricks\footnote{probably fired clay bricks}.
\end{minipage}

\end{document
}

footnotes1

Fußnotennummern sollten eigentlich mit „superior figures“ gesetzt werden. Nicht jede Schrift hat sie, Linux Libertine O schon. Sie mit pdfLaTeX zu verwenden, ist dank Michael Sharpe und seinem superiors Paket ziemlich einfach. Das Paket sollte vor libertine geladen werden:

\documentclass{article}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[supstfm=libertinesups]{superiors}
\usepackage{libertine}

\renewcommand*\thempfootnote{\arabic{mpfootnote}}
\begin{document}

\begin{minipage}{.5\linewidth}
\noindent The three little pigs built their houses
out of straw\footnote{not to be confused with hay},
sticks\footnote{or lumber according to some sources}
and bricks\footnote{probably fired clay bricks}.
\end{minipage}

\end{document
}

footnotes2

Das Ergebnis sieht jetzt viel besser aus! Was bleibt, sind die Lücken zwischen Fußnotenmarkern und den Satzzeichen. Mit meinem fnpct Paket, das dank Christian und seiner Frage auf TeX.sx existiert, gibt es auch dafür eine einfache Lösung.

\documentclass{article}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[supstfm=libertinesups]{superiors}
\usepackage{libertine}
\usepackage{fnpct}

\renewcommand*\thempfootnote{\arabic{mpfootnote}}
\begin{document}

\begin{minipage}{.5\linewidth}
\noindent The three little pigs built their houses
out of straw\footnote{not to be confused with hay},
sticks\footnote{or lumber according to some sources}
and bricks\footnote{probably fired clay bricks}.
\end{minipage}

\end{document
}

footnotes3

Wie ihr seht, wechseln Fußnotenmarker und Satzzeichen ihre Position und rücken näher zusammen. Das Paket bietet eine Reihe von Optionen, um dieses Verhalten zu beeinflussen, etwa, ob man den Positionstausch möchte, oder um welchen Betrag bei welchem Satzzeichen gekernt werden soll. Im Bild seht ihr die Voreinstellung.

Seit ich diese Kombination für mich entdeckt habe, kann ich weder auf superiors noch auf fnpct verzichten. :)

Bis demnächst.

Addendum 05. Juni 2013: Nachdem aus den Kommentaren offensichtlich wurde, dass ich mich nicht völlig klar ausgedrückt habe: obige Kombination gilt selbstverständlich nur für die Fußnotenmarker im laufenden Text. Für die Marker im Fuß benutzt man am besten gar keine Hochstellung. Die einfachste Möglichkeit, das zu erreichen, ist KOMA-Scripts \deffootnote, das mit dem Paket scrextend auch in den anderen Klassen zur Verfügung steht. Erklärt wird der Befehl in der KOMA-Script Dokumentation, beispielsweise im scrguide.pdf.

\documentclass{article}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[supstfm=libertinesups]{superiors}
\usepackage{libertine}
\usepackage{fnpct}

\usepackage{scrextend
}
% \deffootnote{<Markenbreite>}{<Absatzeinzug>}{<Definition>}
\deffootnote{1.5em}{1em}{\thefootnotemark. }

\renewcommand*\thempfootnote{\arabic{mpfootnote}}
\begin{document}

\begin{minipage}{.5\linewidth}
\noindent The three little pigs built their houses
out of straw\footnote{not to be confused with hay},
sticks\footnote{or lumber according to some sources}
and bricks\footnote{probably fired clay bricks}.
\end{minipage}

\end{document
}

fussnotenmarker

Über Clemens

Ich bin ein LaTeX-Enthusiast, der auch mit ein paar Paketen wie chemmacros oder fnpct einen bescheidenen Beitrag zur LaTeX-Vielfalt beitragen hat. Ich habe noch einen eigenen Blog: einzelMEINUNG und einen englischsprachigen Blog, der sich ausschließlich mit LaTeX beschäftigt mychemistry.eu.

26. Mai 2013 von Clemens
Kategorien: LaTeX | Schlagwörter: , , | 12 Kommentare

Kommentare (12)

  1. Pingback: TeX world: TeXwelt.de | myChemistry

  2. Hallo Clemens, wenn ich Dein letztes Beispiel übersetze (aktuelles MiKTeX 2.9), bekomme ich die Meldung, dass die Schrift libertinesups nicht verfügbar ist. Gibt es da noch was spezielles zu beachten?

    • Nicht, dass ich wüsste, ich habe aber kein MiKTeX zum testen. Die Bilder habe ich mit TL 2012 erstellt.

      Auszug aus meiner file-list:

      *File List*
       article.cls    2007/10/19 v1.4h Standard LaTeX document class
        size10.clo    2007/10/19 v1.4h Standard LaTeX file (size option)
      superiors.sty    2013/02/18 - 1.02superiors (License LPPL) Michael Sharpe
      ...
      libertine.sty    2013/02/13 (Bob Tennent) Supports Libertine and Biolinum fonts for all LaTeX engines.
      ...
      LinLibertine_I.tex
        ts1cmr.fd    1999/05/25 v2.5h Standard LaTeX font definitions
      OT1LinuxLibertineT-TLF.fd    2012/11/26 (autoinst) Font definitions for OT1/LinuxLibertineT-TLF.
    • Also ich hab gestern MiKTeX 2.9 das letzte mal geupdated und das kompiliert bei mir problemlos. Vielleicht musst du einfach mal updaten.

  3. Hallo Clemens, deine LaTeX Pakete sind wirklich großartig. Vielen Dank dafür. Und Linux Libertine ist tatsächlich eine sehr schöne Schriftart. Könntest du mir sagen, welchen Mathe-Font du üblicherweise dazu nutzt? Der Standard passt ja nicht besonders gut dazu.

  4. Hallo Clemens,
    deine Anpassung sieht zwar nett aus, macht es aber dem Leser schwerer, die richtigen Fußnoten zu finden. Typographische Konvention ist es daher, das Verweiszeichen in der Fußnote aktiv hervorzuheben, also normale Größe und fett oder halbfett. Natürlich muss man sich nicht sklavisch an Konventionen halten. Aber es entspricht auch meinen eigenen Erfahrungen als Leser, dass diese hervorstechenden Fußnotenzeichen besser funktionieren.
    Ansonsten: ein toller Blog. Feed ist schon abonniert.
    Carsten

    • Hallo Carsten,
      Es würde mich eigentlich sehr wundern, wenn irgendein Typograph empfehlen würde, nicht die eigens vom Schriftdesigner dafür vorgesehen superior figures zu verwenden. Ich habe hier mehr oder weniger wiedergegeben, was Bringhurst in The Elements of Typographic Style schreibt. Natürlich wäre aus typographischer am besten, man könnte völlig auf Fuß- und andere Noten verzichten ;)
      Grüße

    • Mir ist gerade aufgefallen, dass Du vielleicht die Marker für die Noten im Fuß meinst anstatt derer im Text — erstere sollte man eigentlich gar nicht als Hochstellung setzen. Dort sollen sie ja gerade die Noten aufzählen. Die meinte ich mit meinem Beitrag auch gar nicht. Vielleicht sollte ihn editieren und darauf noch explizit eingehen…
      Grüße

      • … ja stimmt. Ich meine die Marker im Fuß. Die sind mir sofort in’s Auge gesprungen und habe den Rest des Textes nicht mehr genau gelesen – sorry!
        Aber tatsächlich, die Markierung im Fuß ist schon ein Problem. Auch Bringhurst setzt im Fuß seine Fußnotenzeichen in normaler Größe und mit hängendem Einzug, um sie leicht auffinden zu können.
        Zu deiner Anpassung der Fußnotenzeichen im Fließtext: Die ist tatsächlich optisch ansprechender als das Original. Ein Hinweis trotzdem noch. Die Entscheidung, ob das Fußnotenzeichen vor oder nach dem Satzzeichen kommt ist mitunter keine typographische sondern ein inhaltliche: Der Marker für eine Anmerkung zu einer Aussage eines ganzen Satzes kommt hinter das Satzschlusszeichen; wenn sie sich hingegen auf das letzte Wort des Satzes bezieht vor selbiges.
        So, genug neunmalklug kommentiert ;-)
        Carsten

        • Zu den Platzierungsgepflogenheiten vor oder nach Satzzeichen habe ich absichtlich nichts gesagt. Das hängt ja auch vom geforderten Stil, landestypischen Gepflogenheiten usw usf ab (manchmal muss sich ein Autor dem Editor beugen, dem das inhaltliche Argument egal ist — alles schon gehört). Da sich das aber bequem pro einzelner Fußnote entscheiden lässt, ist alle Freiheit gewährleistet :)

          Zu den Fußnotenmarkern im Fuß werde ich den Beitrag demnächst aktualisieren.

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