Hallo,

Ich verwende folgenden Befehl: "\fontsize{4pt}{5pt}\selectfont " abhängig von 4pt ergibt sich 5pt als Mittellinie-Abstand. Was wäre wenn ich jetzt statt 4pt 8pt verwende? Wie ändert sich der 2te Parameter? Woher erhalte ich den 2ten benötigten Wert? Ich habe diesbezüglich eurer Forum (tiny, scriptsize) durchstöbert... Wurde aber nicht fündig. (Ich bin neu im LaTeX und dementsprechend hilflos):) lg

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\documentclass[12pt,a4paper,oneside,ngerman]{scrbook}
\usepackage{longtable, lscape}
\usepackage{tikz}
\usepackage{multicol}
\usepackage{longtable}
\usepackage{array} 
\usepackage{varwidth} 
\begin{document}
\fontsize{4pt}{5pt}\selectfont
\begin{tabular}{|l|l|}
\hline
AAA  & BBB \\ \hline 
AAA  & BBB \\ \hline 
AAA  & BBB \\ \hline 
\end{tabular}
\end{document}

gefragt 09 Feb '15, 04:35

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Philipp123
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bearbeitet 09 Feb '15, 05:35

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Clemens
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Bitte gewöhne Dir an, ein Beispiel auf das Notwendige zu kürzen. Für das Problem ist sicher keines der Pakete wirklich notwendig.

(09 Feb '15, 05:08) saputello

Der zweite Wert bei \fontsize ist der Grundlinienabstand (aka Zeilenabstand). Aus Grundlinienabstand und Kegelhöhe (aka Schriftgröße) ergibt sich letztlich der Durchschuss, also der zusätzliche Abstand zwischen zwei Textzeilen, der der besseren optischen Trennung der Zeilen dient. Er soll sowohl verhindern, dass man beim Lesen die Zeile verliert. Gleichzeitig soll er nicht so groß sein, dass sich daraus ein übertriebenes Streifenmuster der Seite ergibt oder der Lesefluss wegen eines zu großen Abstandes wieder gebremst wird. Daraus ergibt sich, dass der ideale Grundlinienabstand sowohl von der verwendeten Schrift als auch der Schriftgröße abhängt.

Nach einer Faustregel sollte der Mindestwert für den Grundlinienabstand beim 1,2–1,3-fachen der Kegelhöhe liegen – bei normalen Lesegrößen. Bei kleinen Größen muss der Abstand häufig größer sein, bei großen Größen darf er häufig kleiner sein. Der wirklich optimale Wert erfordert typografisches oder zumindest ästhetisches Feingefühl und meist einige Erfahrung.

Grundsätzlich sollte man auch nicht beliebige Schriftgrößen miteinander mischen. Die von LaTeX angebotene und in jeder LaTeX-Einführung erklärte Größenabstufung mit \tiny, \scriptsize, \footnotesize, \small, \normalsize, \large, \Large, \LARGE, \huge und \Huge sollte normalerweise ausreichen! Nach den Regeln der Typografie sollte man selbst dabei keine benachbarten Stufen nebeneinander stellen, weil dies häufig zu undeutlich ist. Die bei LaTeX durchaus übliche Verwendung von \large für Überschriften ist nach der klassischen Lehre daher bereits als kritisch zu betrachten. Allerdings kombinieren die meisten Klassen das zusätzlich mit weiteren Änderungen der Schriftattribute, beispielsweise durch Verwendung einer fetten oder serifenlose, wodurch der Unterschied maßgeblich erreicht wird.

Ich würde in der Regel von der Verwendung einer 4-Punkt-Schrift abraten. Jeder, der eine Lesebrille benötigt, wird Dich dafür nämlich verfluchen! Text in dieser Schriftgröße kann man sich in der Regel auch einfach schenken. Wenn Du darauf bestehst, dann ist das ohnehin so schlecht zu lesen, dass ich mir keine Gedanken über den richtigen Wert für den Grundlinienabstand machen würde. 5pt scheint nach der Faustregel oben zunächst viel, in der Praxis ist es das aber nicht mehr.

Die kleinste von den LaTeX-Standardklassen normalerweise angebotene Schriftgröße ist \tiny bei einer Grundschriftgröße von 10pt. Dort wird ein 5pt-Font mit einem Grundlinienabstand von 6pt eingestellt. Du kannst daran erkennen, dass 5pt, also ebenfalls ein Durchschuss von nur 1pt, als Grundlinienabstand für eine 4pt-Schrift das Minimum sein dürfte. In Kombination mit allzu vielen Linien darum herum, wie in der Tabelle Deines Beispiels gezeigt, ist es aber definitiv zu wenig.

Generell solltest Du bei Tabellen auf vertikale Linien ganz verzichten und horizontale Linien auf ein Minimum reduzieren. Beide verschlechtern nämlich die Lesbarkeit.

Die horizontalen Linien verschlechtern bei zu intensiver und zu enger Nutzung die Lesbarkeit jeder Zeile. In jedem Fall verschlechtern sie die Lesbarkeit der vertikale Leserichtung, die es in Tabellen durchaus gibt. Verwendet man horizontale Linien dann bitte in der Form, die vom Paket booktabs angeboten wird. Dort sind die Abstände großzügiger (und darüber hinaus einfach einstellbar), so dass die einzelnen Zeilen zumindest horizontal gut lesbar bleiben.

Schlimmer sind jedoch die vertikalen Linien. Die Hauptleserichtung einer Tabelle sollte immer horizontal ausgelegt sein. Genau diese Hauptleserichtung wird dann von den vertikalen Linien gestört und ggf. in eine vertikale oder auf die Zelle begrenzte Leseart gezwungen. Das ist typografisch gesehen sehr, sehr ungünstig.

Rahmen um Tabellenzellen benötigt man generell nur bei Formularen, die noch auszufüllen sind. Daher sind sie beispielsweise im Eingabemodus einer Tabellenkalkulation durchaus angebracht. Bei der Ausgabe lässt man sie besser weg.

Schlussbemerkungen: Natürlich könnte man den zweiten Wert bei \fontsize auch als Abstand der Mittellinien betrachten, da sämtliche gleich benannten Linien des Liniensystems von Zeile zu Zeile denselben Abstand besitzen. Das ist aber eher unüblich. Üblich ist, den Zeilenabstand über den Abstand der Grundlinien aufeinanderfolgender Zeilen zu definieren. Der bei LaTeX verwendete Name \baselineskip bezieht sich ebenfalls darauf. Außerdem sei noch darauf hingewiesen, dass auf den angebenen zweiten Wert von \fontsize ggf. auch noch \baselinestretch Anwendung findet, sich also \linespread oder das Paket setspace auswirken können.

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beantwortet 09 Feb '15, 05:00

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saputello
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bearbeitet 09 Feb '15, 06:57

1

Zugegeben keine befriedigende Antwort im Sinne von "nimm für Schriftgröße X für das zweite Argument immer Y". Aber es war einfach zu lang für einen Kommentar, was auch daran liegt, dass das Thema in der allgemein gestellten Form komplexer ist, als es erscheinen mag.

(09 Feb '15, 05:00) saputello
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Frage gestellt: 09 Feb '15, 04:35

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Zuletzt aktualisiert: 09 Feb '15, 06:57