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Hallo zusammen,

ich frage mich seit einiger Zeit, wie die richtige Einbindung von Formelumgebungen im Text aussehen sollte. Ich habe dazu ein MB mit zwei unterschiedlichen Möglichkeiten der Formeleinbindung erstellt. Bei der ersten (Formel 0.1) habe ich sowohl vor der equation-Umgebung als auch nach der equation-Umgebung keinen Absatz eingefügt. Das Ergebnis sieht auch genauso aus, wie es meiner Meinung nach sein sollte. Bei der zweiten Möglichkeit (Formel 0.2) habe ich vor und nach der equation-Umgebung einen Absatz eingefügt. Das führt jedoch dazu, dass vor der Formel ein größerer Abstand entsteht, der meiner Meinung nach unnötig ist und nicht dahin gehört. Im Prinzip könnte ich also immer die erste Variante wählen, wenn nicht ein weiteres Problem auftauchen würde, dass ich mit Formel 0.3 zeigen möchte. Hier habe ich die equation-Umgebung wie bei Formel 0.1 - also ohne Absatz davor und danach - eingebunden. Allerdings führt dies dazu, dass auf der nächsten Seite nur ein einzelnes Wort steht und dann die Formel 0.3. Das sieht nicht sehr elegant aus meiner Meinung nach. Nimmt man den Kommentar raus, dann zieht LaTeX ein wenig mehr Text auf die nächste Seite, was zwar einerseits besser aussieht, aber andererseits auch wieder dazu führt, dass ein extra Absatz vor Formel 0.3 eingefügt wird. Also auch nicht die optimale Lösung. Wie also sollte man Formeln generell einfügen, damit die beschriebenen Probleme nicht auftauchen? Gibt es dafür eine Lösung? Vielen Dank.

Open in writeLaTeX
\documentclass{scrbook}
    \usepackage[latin1]{inputenc}
    \usepackage[ngerman]{babel} 
    \usepackage{amsmath}
    \usepackage{blindtext}
\begin{document}
\blindtext Noch ein wenig Text.
%
\begin{equation}
a^2+b^2=c^2
\end{equation}
%
\blindtext Noch ein wenig Text.

\begin{equation}
a^2+b^2=c^2
\end{equation}

\blindtext \blindtext Noch ein bisschen mehr Text, der dazu führt, dass die ein einzelnes Wort auf der nächsten Seite steht. Und noch  mehr Text, der dazu führt, dass die ein einzelnes Wort auf der nächsten Seite steht. Und ein wenig mehr:
% Hier mal den Kommentar rausnehmen und schauen, was passiert.
\begin{equation}
a^2+b^2=c^2
\end{equation}
%
\blindtext
\end{document}

gefragt 16 Mai '14, 03:34

josephine's gravatar image

josephine
94432534
Akzeptiert: 76%

Meiner Meinung nach ist ein Absatz eine Trennung, die nach dem Textinhalt vorgenommen werden sollte und nicht nach dem Aussehen (das kann man separat beeinflussen). Wenn ein Absatz inhaltlich logisch mit einer Formel beginnt (was mir doch äußert ungewöhnlich erscheint), dann sollte wohl vor der Formel ein Absatz begonnen werden. Wenn ein Absatz mit einer Formel aufhört (auch IMHO eher zu vermeiden aber eher zu verteidigen als eine am Absatzanfang), dann muss nach ihr ein neuer Absatz beginnen. Dass eine Formel alleine einen Absatz bildet, halte ich für unmöglich...

(16 Mai '14, 03:43) Clemens

@Clemens Da stimme ich zu 100% zu. In meinem Text ist eine Formel immer mit dem vorherigen Abschnitt und dem folgenden Abschnitt logisch verbunden, daher würde ich gerne auf einen Abstand zwischen den Abschnitten und der Formel verzichten. Das führt jedoch zu dem oben beschriebenen Problem bei Formel 0.3.

(16 Mai '14, 04:09) josephine

Es ist Absicht, dass eine Formel nicht als erstes oben auf einer Seite erscheint, sondern wenigstens eine Zeile Text davor ist. Ein Umbruch dazwischen ist durch \predisplaypenalty=10000 verboten. Zitat TeXbook: »Plain TeX sets \predisplaypenalty=10000, because fine printers traditionally shun displayed formulas at the very top of a page.« Man kann diesen Wert zwar ändern, um vielleicht doch einen Umbruch zu erhalten, aber ich würde lieber den Text leicht abwandeln/ergänzen, so dass es wenigstens kein einzelnes Wort mehr ist.

(16 Mai '14, 04:13) Clemens

Ob man im Quelltext eine Leerzeile vor oder nach einer Formal oder weder vor noch nach der Formel setzt, hängt davon ab, ob die Formel einen Absatz beginnt oder beendet oder weder noch.

In der Regel wird eine Formel nicht ganz am Anfang eines Absatzes stehen. Daher sollte man in der Regel auch keine Leerzeile vor der Formel setzen. Es kann jedoch Ausnahmen geben, bei denen die Formel tatsächlich den Anfang des Absatzes darstellt. Dies ist jedoch häufig problematisch, da man den Absatz dann schlecht erkennt:

Open in writeLaTeX
\documentclass{article}
\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage{selinput}
\SelectInputMappings{
  adieresis={ä},
  germandbls={ß},
}

\begin{document}
\section{Formeln}
Die Mathematik besteht hauptsächlich aus Formeln. Diese können nach
verschiedenen Kriterien klassifiziert werden.

\[f(x,y) = x + y \]
beschreibt eine Summe. Dabei sind $x$ und $y$ die Summanden.

\[f(x,y) = x \cdot y \]
beschreibt ein Produkt. Dabei sind $x$ und $y$ die Faktoren.
\end{document}

Das Ergebnis

alt text

Ist jedoch nicht vom Ergebnis ohne Absatz zu unterscheiden. Dies wird tatsächlich erst durch Verwendung von amsmath ermöglicht, hier unterscheidet sich das Ergebnis von:

Open in writeLaTeX
\documentclass{article}
\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage{selinput}
\SelectInputMappings{
  adieresis={ä},
  germandbls={ß},
}
\usepackage{amsmath}

\begin{document}
\section{Formeln}
Die Mathematik besteht hauptsächlich aus Formeln. Diese können nach
verschiedenen Kriterien klassifiziert werden.

\[f(x,y) = x + y \]
beschreibt eine Summe. Dabei sind $x$ und $y$ die Summanden.

\[f(x,y) = x \cdot y \]
beschreibt ein Produkt. Dabei sind $x$ und $y$ die Faktoren.
\end{document}

von und

Open in writeLaTeX
\documentclass{article}
\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage{selinput}
\SelectInputMappings{
  adieresis={ä},
  germandbls={ß},
}
\usepackage{amsmath}

\begin{document}
\section{Formeln}
Die Mathematik besteht hauptsächlich aus Formeln. Diese können nach
verschiedenen Kriterien klassifiziert werden.
\[f(x,y) = x + y \]
beschreibt eine Summe. Dabei sind $x$ und $y$ die Summanden.
\[f(x,y) = x \cdot y \]
beschreibt ein Produkt. Dabei sind $x$ und $y$ die Faktoren.
\end{document}

in der Gegenüberstellung (zuerst mit Absatz, dann ohne):

mit Absatzohne Absatz

gringfügig. Ob diese Unterscheidung genügt, wage ich jedoch zu bezweifeln. Oft ist es daher besser, die Formel eben nicht an den Anfang des Absatzes zu stellen.

Eine Formel kann am Ende eines Absatzes stehen. In diesem Fall sollte man den Absatz auch entsprechend mit einer Leerzeile kenntlich machen. Genauso kann eine Formal aber auch innerhalb eines Absatzes, ja sogar innerhalb eines Satzes stehen. In diesem Fall ist natürlich auch keine Leerzeile für einen Absatz einzufügen. Hier ein paar Beispiele:

Open in writeLaTeX
\documentclass{article}
\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage{selinput}
\SelectInputMappings{
  adieresis={ä},
  germandbls={ß},
}
\usepackage{amsmath}

\begin{document}
\section{Formeln}
Die Mathematik besteht hauptsächlich aus Formeln. Diese können nach
verschiedenen Kriterien klassifiziert werden.

Wir sehen nachfolgend eine Summe:
\[f(x,y) = x + y \]
wobei $x$ und $y$ die Summanden genannt werden.

Bei nachfolgendem Produkt werden $x$ und $y$ im Vergleich dazu Faktoren genannt:
\[f(x,y) = x \cdot y \]

Die Division wiederum stellt bei genauer Betrachtung eine Sonderform des
Produkts dar:
\[f(x,y) = x / y \]
Dabei werden die Faktoren Dividend und Divisor genannt werden. Inwiefern die
Division ein Produkt ist, wird erst mit Einführung der Potenzen deutlich:
\[f(x,y) = x \cdot y^{-1} \]
Allerdings werden wir die Potenzen erst im nächsten Semester ausführlich
behandeln.

\end{document}

Über die Abstände alleine wird hier wenig deutlich, wo ein Absatz ist und wo nicht:

Absatzeinzug

Tatsächlich ist hier der Absatzeinzug bedeutender. Es funktioniert so jedoch auch mit Absatzabstand, statt mit Absatzeinzug:

Open in writeLaTeX
\documentclass[parskip]{scrartcl}
\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage{selinput}
\SelectInputMappings{
  adieresis={ä},
  germandbls={ß},
}
\usepackage{amsmath}

\begin{document}
\section{Formeln}
Die Mathematik besteht hauptsächlich aus Formeln. Diese können nach
verschiedenen Kriterien klassifiziert werden.

Wir sehen nachfolgend eine Summe:
\[f(x,y) = x + y \]
wobei $x$ und $y$ die Summanden genannt werden.

Bei nachfolgendem Produkt werden $x$ und $y$ im Vergleich dazu Faktoren genannt:
\[f(x,y) = x \cdot y \]

Die Division wiederum stellt bei genauer Betrachtung eine Sonderform des
Produkts dar:
\[f(x,y) = x / y \]
Dabei werden die Faktoren Dividend und Divisor genannt werden. Inwiefern die
Division ein Produkt ist, wird erst mit Einführung der Potenzen deutlich:
\[f(x,y) = x \cdot y^{-1} \]
Allerdings werden wir die Potenzen erst im nächsten Semester ausführlich
behandeln.

\end{document}

mit absatzabstand

Aus diesen Beispielen sollte deutlich werden, dass es wichtig ist, Leerzeilen nur dort zu setzen, wo tatsächlich Absätze sein sollen.

Darüber hinaus zeigt das Beispiel aber auch, dass die optischen vertikalen Abstände, also das was der Leser als Abstand wahrnimmt, davon abhängen, wie lange die Zeile vor der Formel ist. Das zeigt sich vor allem durch die vorletzte Formel im letzten Beispiel.

Was das Problem mit dem Seitenumbruch angeht, so könnte man dieses durch entsprechende Werte für \displaywidowpenalty entschärfen, etwa:

Open in writeLaTeX
\documentclass{scrbook}
\usepackage{selinput}
\SelectInputMappings{
  adieresis={ä},
  germandbls={ß},
}
\usepackage[ngerman]{babel} 
\usepackage{amsmath}
\usepackage{blindtext}
\displaywidowpenalty9999% Verhindere Hurenkinder vor Formeln so weit möglich
\begin{document}
\blindtext Noch ein wenig Text.
%
\begin{equation}
a^2+b^2=c^2
\end{equation}
%
\blindtext Noch ein wenig Text.

\begin{equation}
a^2+b^2=c^2
\end{equation}

\blindtext \blindtext Noch ein bisschen mehr Text, der dazu führt, dass die ein einzelnes Wort auf der nächsten Seite steht. Und noch  mehr Text, der dazu führt, dass die ein einzelnes Wort auf der nächsten Seite steht. Und ein wenig mehr:
% Hier mal den Kommentar rausnehmen und schauen, was passiert.
\begin{equation}
a^2+b^2=c^2
\end{equation}
%
\blindtext
\end{document}

Dabei landen nun zwei Zeilen auf der nächsten Seite. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass das Problem eigentlich nur bei kurzen Zeilen vor der Formel existiert, die Änderung von \displaywidowpenalty aber natürlich auch auf nahezu voll Zeilen wirkt. Ich selbst würde daher eher in der Endkontrolle des Umbruchs mit einem gezielten \pagebreak oder \enlargethispage eingreifen.

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beantwortet 16 Mai '14, 05:08

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Bes
1411516

Toll, danke für die ausführliche Antwort.

(29 Mai '14, 12:28) josephine
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Frage gestellt: 16 Mai '14, 03:34

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Zuletzt aktualisiert: 29 Mai '14, 12:28