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Wenn innerhalb eines Dokument die Schriftgröße umgeschaltet wird, geben Anfänger den Text, der in anderer Größe gesetzt werden soll, gerne als Argument des Schriftgrößenbefehls an. Das wird von erfahrenen Anwendern dann häufig als Fehler bezeichnet. Warum?

gefragt 21 Sep '13, 06:02

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saputello
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bearbeitet 25 Sep '13, 14:06

„Beispielsweise”? Ich vermute das bezieht sich auf das \footnotesize (als Platzhalter für alle anderen Schriftgrößenbefehle). Es liest sich so aber sehr komisch. Was ist denn nicht falsch daran?

(25 Sep '13, 13:35) Qrrbrbirlbel

@Qrr Gefällt es Dir so besser?

(25 Sep '13, 14:06) saputello

Die Schriftgrößenbefehle \Huge, \huge, \LARGE, \Large, \large, \normalsize, \small, \foootnotesize und \tiny sind Umschalter. Das bedeutet, sie schalten die aktuell gültige Schriftgröße um. Die neue Schriftgröße gilt dann bis zum Ende der aktuellen Gruppe oder bis ein neuer Schriftgrößenbefehl die Größe wieder explizit umschaltet. Die Befehle haben also insbesondere kein Argument.

Beispiele:

Vorher \footnotesize{Kleiner} Nachher

In diesem Beispiel werden sowohl Kleiner als auch Nachher in der Größe \footnotesize gesetzt. Das \footnotesize kein Argument kennt, wird außerdem Kleiner in einer lokalen Gruppe gesetzt, was so aber nicht zu sehen ist. Vom Anwender vermutlich beabsichtigt wäre:

Vorher {\footnotesize Kleiner} Nachher

Hier wird nur Kleiner in \footnotesize gesetzt.

Vorher \footnotesize{Kleiner \Large{Größer} Zurück} Nachher

In diesem Beispiel werden Kleiner und Nachher in der Größe \footnotesize gesetzt. Dagegen werden Größer und Zurück in \Large gesetzt. Nachher wird deshalb in \footnotesize und nicht in \Large gesetzt, weil die Gruppe, in der \Large gilt mit der schließenden geschweiften Klammer nach Zurück endet. Vom Anwender beabsichtigt ist vermutlich

Vorher {\footnotesize Kleiner {\Large Größer} Zurück} Nachher

oder

Vorher {\footnotesize Kleiner{\Large\ Größer }Zurück} Nachher

Die beiden Lösungen unterscheiden sich in den Abständen zwischen den Wörtern:

unterschiedliche Wortabstände

Wie man sieht, richtet sich auch der Wortabstand nach der aktuellen Schriftgröße. Typografisch gesehen ist es meist sinnvoll, den Wortabstand an der Schnittstelle zwischen zwei Schriftgrößen in der größeren Schrift zu setzen. Es ist zu beachten, dass im entsprechenden zweiten Beispiel der Abstand nach \Large durch \ explizit herbeigeführt werden musste, weil Leerzeichen nach einer Anweisung wie \Large von TeX überlesen werden.

Muss man bei {\footnotesize Text} eventuell noch etwas beachten?

Ja. Wenn ein ganzer Absatz in einer anderen Schriftgröße gesetzt werden soll, muss darauf geachtet werden, dass zuerst der Absatz und dann die Wirkung der Schriftgrößenänderung beendet werden muss, sonst passieren solche Dinge:

\documentclass{article}
\usepackage{blindtext}
\begin{document}
{\tiny \blindtext}

{\Large \blindtext}
\end{document}

falscher Zeilenabstand

Da beide Absätze mit der Grundlinienabstand von \normalsize gesetzt werden – beim zweiten findet lediglich eine Notfallaufweitung statt, um den Kollision von Zeilen zu verhindern –, ist der erste mit zu großen Zeilenabstand und der zweite mit zu kleinem und uneinheitlichem. Der Absatz muss also unbedingt jeweils vor der schließenden geschweiften Klammer beendet werden:

\documentclass{article}
\usepackage{blindtext}
\begin{document}
{\tiny \blindtext\par}

{\Large \blindtext\par}
\end{document}

jeweils passender Zeilenabstand

Wie man es noch besser machen kann, ist in meiner Antwort zur Frage »Kann ich Schriftgrößenumschaltungen auch als Umgebungen verwenden?« zu finden.

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beantwortet 21 Sep '13, 06:15

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saputello
15.8k21949

bearbeitet 10 Okt '13, 02:24

Wie schon gesagt, ist die alte Schriftgrößenumschaltung per "Schalter" ein Fehler, da per Definition eine Schriftgröße innerhalb einer Gruppe gilt, die dann konsequenterweise auch mit Gruppierungen gekennzeichnet werden sollte.

Das "Hin und Her-Schalten" zwischen Schriftgrößen ist unlogisch.

(01 Okt '13, 17:50) ctansearch
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@ctansearch Es geht nicht darum, was logisch ist, es geht darum, was Anwender an dieser Stelle häufig falsch machen. Das Internet ist voll von Beispielen, in denen Anwender offensichtlich annehmen, dass die Schriftgrößenbefehle ein Argument haben, und es ist voll von Beispielen, in denen die Anwender die Schriftgrößen umschalten, ohne zu beachten, dass die korrekte Behandlung des Absatzendes wichtig ist. Beispiele, bei denen Implikationen für die Leerzeichen nicht beachtet werden, sind weniger häufig, habe ich in der Praxis aber ebenfalls schon mehrfach erlebt.

(05 Okt '13, 08:05) saputello
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Frage gestellt: 21 Sep '13, 06:02

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Zuletzt aktualisiert: 10 Okt '13, 02:24