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Gerade in wissenschaftlichen Texten gibt es häufig verschiedene Arten von Begriffen, die man hervorheben will. Beispielsweise möchte man manchmal Namen in Kapitälchen schreiben – was übrigens in der modernen Typografie als altertümlich gilt –, Befehle sollen vielleicht in einer Festbreitenschrift (aka Typewriter), Fachausdrücke dagegen kursiv gesetzt werden.

Genügt es, wenn ich dafür im Text einfach die Befehle \textsc, \texttt und \textit bzw. \emph verwende?

gefragt 10 Okt '13, 06:25

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saputello
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bearbeitet 15 Jul '14, 04:50

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Ijon Tichy
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LaTeX propagiert in starkem Maße die Trennung von Form und Inhalt. Das bedeutet, dass innerhalb des Dokuments, also zwischen \begin{document} und \end{document} nicht mehr festgelegt wird, wie etwas aussehen soll, sondern was für eine Art von Text etwas ist. Ein gutes Beispiel dafür sind Überschrift. In LaTeX würde man eine Überschrift niemals als

{\Large\textbf{Überschrift}\par}

schreiben, sondern immer mit einer Anweisung wie \chapter, \section etc.

Dieses Prinzip sollte man auch auf eigene Textarten, also auch auf unterschiedliche Arten von Begriffen ausweiten. Für die in der Frage genannten Beispiele sollte man also Definition wie:

\newcommand*{\Name}[1]{\textsc{#1}}
\newcommand*{\Befehl}[1]{\texttt{#1}}
\newcommand*{\Fachbegriff}[1]{\emph{#1}}

in der Dokumentpräambel einfügen und dann diese neuen LaTeX-Befehle im Text verwenden.

Nun mag der Einwand kommen, dass \emph doch bereits eine semantische Auszeichnung sei, man also Fachbegriffe auch im Dokument selbst als \emph{Fachausdruck} hervorheben könne, ohne erst eine LaTeX-Anweisung \Fachbegriff zu definieren. Dem ist entgegen zu halten, dass \emph lediglich sagt: »Hebe hervor«. Es gibt hingegen keinen Grund für die Hervorhebung an. So könnten beispielsweise neben Fachbegriffen auch die Namen lediglich mit \emph hervorgehoben werden. Dann müsste man nach derselben Logik, nach der die Fachbegriffe nur direkt per \emph{…} statt per \Fachbegriff{…} hervorgehoben würden, auch die Namen direkt per \emph{…} markiert werden. Am Ende hat man dann wieder unterschiedliche Arten von Begriffen auf dieselbe Weise ausgezeichnet. Die Anweisung \emph{…} würde ich deshalb als schwache semantische Auszeichnung bezeichnen. Daher sollte man in allen Fällen, in denen sich der Grund für die Auszeichnung benennen lässt, wie am Beispiel erklärt verfahren. Der Befehl zur Auszeichnung sollte also den Grund für die Auszeichnung wiederspiegeln und möglichst nicht nur, dass eine Auszeichnung erfolgen soll.

Ein großer Vorteil dieser Trennung von Form und Inhalt ist, dass zur Änderung der Form nicht der gesamte Text nach entsprechend markierten Texten durchsucht werden muss, um dort die Markierung zu ändern. Stattdessen muss nur die Definition der Form geändert werden. Sollen also Name nun doch nur in der Standardhervorhebung markiert werden und beispielsweise Fachausdrücke auch in kursivem Text kursiv gesetzt werden, so genügt eine Änderung dieser beiden Definitionen:

\newcommand*{\Name}[1]{\emph{#1}}
\newcommand*{\Befehl}[1]{\texttt{#1}}
\newcommand*{\Fachbegriff}[1]{\textit{#1}}

Es lohnt sich daher, die Trennung von Form und Inhalt konsequent fortzuführen und einfache Auszeichnungsbefehle wie die Befehle zur Umschaltung der Schriftattribute innerhalb des eigentlichen Inhalts nicht zu verwenden.

Zusammenfassen könnte man dies mit dem Satz: Befehle zur Textauszeichnung innerhalb des Dokuments sollen nicht nach dem Ergebnis der Auszeichnung, sondern nach den Grund der Auszeichnung unterscheiden.

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beantwortet 10 Okt '13, 06:40

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saputello
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bearbeitet 10 Okt '13, 06:54

@sap Danke, genau sowas schwebte mir vor. Jetzt hat man auch was schönes zum Verlinken. Leider wird das Konzept nur in wenigen Einführungen wirklich begründet.

(11 Okt '13, 04:15) Johannes
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Frage gestellt: 10 Okt '13, 06:25

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Zuletzt aktualisiert: 15 Jul '14, 04:50